Einleitung
Wer sich mit der Anbindung von Paketdienstleistern (KEP) an SAP-Systeme beschäftigt, stößt früher oder später auf einen zentralen Begriff: die Integrationsschicht von SAP CEP One. Doch was genau verbirgt sich technisch und architektonisch dahinter? Dieser Glossar-Beitrag erklärt, wie CEP One als Middleware zwischen SAP-System und Carrier funktioniert, warum diese Schicht so wichtig für die Entkopplung vom SAP-Core ist und welche Rolle sie im täglichen Versandprozess spielt.
Was ist die Integrationsschicht
Die Integrationsschicht ist das architektonische Herzstück von CEP One. Sie fungiert als zentrale Middleware zwischen dem SAP-System und den angebundenen KEP-Dienstleistern und basiert auf der SAP Business Technology Platform (SAP BTP) mit der SAP Integration Suite. Statt dass jedes angebundene System eine eigene, direkte Verbindung zu jedem einzelnen Carrier pflegen muss, läuft die gesamte Kommunikation über diese eine Schicht.
Technisch bedeutet das: Alle Carrier sind über einen einzigen API-Endpunkt und ein einheitliches Datenmodell erreichbar. Das SAP-System – ob ECC, S/4HANA, EWM oder TM – sendet dabei immer dieselbe standardisierte Datenstruktur, unabhängig davon, welcher Versanddienstleister am Ende tatsächlich beauftragt wird.
Der eigentliche Versandprozess läuft dabei in vier klar definierten Schritten ab:
- Das SAP-System sendet einen standardisierten Request an CEP One – immer im gleichen Format, unabhängig vom Carrier.
- CEP One transformiert (mappt) die Daten in das carrier-spezifische Format und routet sie an den richtigen Dienstleister.
- Der Carrier erstellt das Label, registriert die Sendung und sendet eine Bestätigung zurück.
- CEP One normalisiert die Carrier-Antwort und liefert sie in einem einheitlichen Format an SAP zurück – inklusive Sendungsnummern und Trackingdaten.
Die Verbindung zwischen SAP-System und CEP One erfolgt dabei über RFC oder HTTPS. Innerhalb dieser Schicht übernimmt CEP One zentral das KEP-Mapping, das KEP-Routing und das Message Processing sowie die KEP-Authentifizierung samt zugehörigem Security Material. Damit entsteht ein einheitliches Datenmodell mit zentralem Mapping für alle angebundenen Carrier – und gleichzeitig eine zentrale Kontrollinstanz für die gesamte Versandkommunikation in Bezug auf Sicherheit und Governance.
Mehr zu den Details dieser Architektur findest du im Artikel SAP CEP One: Carrier-Integration und Architektur.
Entkopplung vom SAP-Core
Der entscheidende Vorteil dieser Integrationsschicht liegt in der architektonischen Entkopplung: SAP und die angebundenen KEP-Dienstleister sind vollständig getrennt, es gibt keine carrier-spezifischen Modifikationen im SAP-Core. Das gesamte carrier-spezifische Mapping liegt ausschließlich in CEP One, nicht im SAP-System selbst.
Das hat mehrere praktische Konsequenzen. Ändert ein Carrier seine API-Schnittstelle, wird diese Änderung zentral in CEP One nachgezogen – das SAP-System bleibt davon unberührt. Ebenso lassen sich neue Carrier über standardisierte Konnektoren und vordefinierte Mappings in Tagen statt Monaten anbinden, ohne dass im SAP-Core Anpassungen nötig werden.
Diese Entkopplung reduziert zudem die Abhängigkeit von einzelnen Versanddienstleistern und sorgt dafür, dass CEP One mit dem Versandvolumen mitwächst, ohne dass bei steigendem Durchsatz ein Re-Engineering des SAP-Systems erforderlich wird. Gleichzeitig bleibt die Integration in bestehende Liefer- und Warenausgangsprozesse nahtlos – Versanddaten werden automatisiert aus dem SAP-Backend abgerufen, Versandaufträge automatisch angemeldet, carrierspezifische Labels generiert und Sendungsnummern sowie Trackingdaten in Echtzeit zurück ins SAP-System synchronisiert. Der Label- und Dokumentendruck erfolgt dabei über Nachrichtenarten in ECC und S/4HANA sowie über PPF in EWM und TM.
Fazit
Die Integrationsschicht ist damit weit mehr als eine technische Notwendigkeit – sie ist das Prinzip, das CEP One als Carrier-Middleware für SAP ECC, S/4HANA, EWM und TM auszeichnet. Durch die konsequente Entkopplung von SAP-Core und Carrier-Logik entsteht eine standardisierte, zukunftssichere Basis für die Versandkommunikation: ein einheitliches Datenmodell, ein zentraler API-Endpunkt und ein Prozess, der unabhängig vom jeweiligen Dienstleister immer gleich abläuft. Für SAP-Entwickler und IT-Architekten bedeutet das vor allem eines: weniger individuelle Schnittstellenpflege im SAP-System selbst und mehr Flexibilität bei der Anbindung neuer Carrier.
