Multi-Carrier-Strategie: Wann sie sich lohnt und wie man sie sauber aufsetzt

Logistik-IT-Entscheider, die über einen zweiten oder dritten Versanddienstleister nachdenken, stehen früh vor derselben strategischen Frage: Rechtfertigt der zusätzliche Nutzen mehrerer Carrier den zusätzlichen Integrations- und Pflegeaufwand – oder holt man sich mit jedem weiteren Dienstleister vor allem neue Komplexität ins Haus?

Einleitung

Von einer Multi-Carrier-Strategie spricht man, wenn ein Unternehmen seine Sendungen nicht über einen einzigen Versanddienstleister abwickelt, sondern regelbasiert auf mehrere Carrier verteilt – etwa nach Land, Gewicht oder Servicelevel. Die meisten Unternehmen wachsen eher zufällig in eine solche Konstellation hinein: Ein wichtiger Auftraggeber verlangt einen bestimmten Dienstleister, ein Auslandsgeschäft braucht besondere Zonenabdeckung, ein Spezialist wird für Palettenverkehre ergänzt. Was als pragmatische Einzelentscheidung beginnt, entwickelt sich schnell zu einer gewachsenen Landschaft, die niemand bewusst geplant hat.

Dieser Beitrag ordnet das Thema strategisch ein: Wann eine Multi-Carrier-Strategie den Aufwand tatsächlich wert ist, wann ein einzelner Carrier vollkommen ausreicht, wo die eigentliche technische Hürde liegt – und wie man mehrere Versanddienstleister so aufsetzt, dass die Komplexität beherrschbar bleibt.

Hinweis: Die folgende Markteinordnung beschreibt allgemeine Überlegungen aus der Logistikpraxis – unabhängig von einer bestimmten Software oder einem bestimmten Anbieter.

Wann sich eine Multi-Carrier-Strategie lohnt

Der Nutzen mehrerer Carrier speist sich in der Regel aus vier Faktoren, die selten alle gleichzeitig, aber oft in Kombination auftreten.

Der erste Faktor ist die Wirtschaftlichkeit einzelner Strecken. Kein Dienstleister ist auf allen Relationen, in allen Gewichtsklassen und in allen Zielländern gleich günstig aufgestellt. Wer Sendungen regelbasiert dem jeweils passendsten Carrier zuweist, verteilt das Sendungsvolumen wirtschaftlich sinnvoller über das Netzwerk – vorausgesetzt, das Volumen ist groß genug, dass sich der Unterschied summiert.

Der zweite Faktor ist die Ausfallsicherheit. Ein einzelner Carrier ist zugleich eine zentrale Abhängigkeit: Ein Streik, eine technische Störung beim Dienstleister oder saisonale Kapazitätsengpässe können den Warenausgang im ungünstigsten Fall spürbar beeinträchtigen. Mit einem zweiten, bereits angebundenen Dienstleister lässt sich der Versand im Ernstfall umleiten, statt tagelang stillzustehen.

Der dritte Faktor ist die Service- und Zonenabdeckung. Regionale Spezialisten, internationale Netzwerke, Expressdienste oder Anbieter für Sperrgut und Gefahrgut decken jeweils unterschiedliche Anforderungen ab. Sobald das eigene Versandprofil über den Standardfall hinausgeht, führt an mehreren Carriern kaum ein Weg vorbei.

Der vierte Faktor ist die Verhandlungsposition. Wer technisch in der Lage ist, Sendungsvolumen kurzfristig zu verschieben, verhandelt aus einer anderen Position heraus. Allein die Möglichkeit, einen Dienstleister durch einen anderen zu ersetzen, verbessert die eigene Ausgangslage in Preisgesprächen – unabhängig davon, ob man diese Möglichkeit am Ende nutzt.

Wann ein einzelner Carrier ausreicht

Eine Multi-Carrier-Strategie ist kein Selbstzweck. Bei überschaubarem Versandvolumen, einem einheitlichen Versandprofil und wenigen Zielländern übersteigt der Aufwand für Anbindung und Pflege mehrerer Dienstleister den Nutzen meist deutlich. Wer den Großteil seiner Sendungen ohnehin über einen Anbieter abwickelt, der Abdeckung und Servicelevel zuverlässig erfüllt, fährt mit einem einzelnen Carrier oft schlanker und wartungsärmer.

Entscheidend ist weniger die Anzahl der Carrier als die Frage, ob die Architektur einen späteren Wechsel oder eine spätere Erweiterung offenlässt. Ein einzelner Carrier ist unproblematisch – solange man sich nicht technisch so an ihn bindet, dass ein zweiter Dienstleister später ein eigenes Projekt auslöst.

Die eigentliche Hürde: technische Komplexität

Der strategische Nutzen mehrerer Carrier ist meist schnell klar. Die eigentliche Hürde liegt in der technischen Realisierung – und zwar dort, wo jeder Dienstleister seine eigene Welt mitbringt: eine eigene API, eigene Label-Formate, eigene Tracking-Strukturen, eigene Regeln für Retouren und eigene Anforderungen an die Sendungsdaten.

Wird jeder Carrier einzeln und direkt an das SAP-System angebunden, entsteht für jeden Dienstleister eine eigene Schnittstelle mit eigener Logik im SAP-System. Jede Änderung an einer Carrier-Schnittstelle – und solche Änderungen kommen regelmäßig – zieht dann eine Anpassung im SAP-System nach sich. Aus drei Carriern werden drei Integrationen, die parallel gepflegt, getestet und transportiert werden müssen. Genau an dieser Stelle kippt der Nutzen der Multi-Carrier-Strategie in Wartungslast um, und die eigentlich gewünschte Flexibilität geht verloren.

Wie man eine Multi-Carrier-Strategie sauber aufsetzt

Der entscheidende Grundsatz für eine tragfähige Multi-Carrier-Strategie lautet: SAP und die Carrier gehören architektonisch entkoppelt. Genau nach diesem Prinzip arbeitet CEP One als zentrale Integrationsschicht zwischen dem SAP-System und den angebundenen Carriern: Statt jeden Dienstleister direkt an das SAP-Backend zu binden, vermittelt CEP One zwischen SAP-System und Carrier-Netzwerk.

Aus dem SAP-Backend wird unabhängig vom gewählten Carrier stets dieselbe standardisierte Datenstruktur an CEP One gesendet. Die Übersetzung in das jeweilige carrier-spezifische Format – Adressdaten, Label-Aufbau, Tracking-Rückfluss, Retourenabwicklung – erfolgt innerhalb von CEP One und nicht im SAP-Core. Eine Änderung an einer Carrier-Schnittstelle wird damit zentral in CEP One gepflegt und wirkt sich nicht auf das SAP-System aus.

Auf dieser architektonisch entkoppelten Basis lässt sich die eigentliche Carrier-Auswahl unternehmensseitig frei gestalten – regelbasiert nach Land, Gewicht, Servicelevel oder wirtschaftlichen Kriterien, ohne dass diese Entscheidung den SAP-Core berührt. Und weil das carrier-spezifische Mapping zentral in CEP One liegt, wird das Anbinden eines zusätzlichen Dienstleisters zu einer Konfigurations- und Mapping-Aufgabe innerhalb der Integrationsschicht – nicht zu einem Änderungsprojekt am SAP-Core. Genau diese Entkopplung ist es, die eine Multi-Carrier-Strategie von einer Sammlung fragiler Einzelintegrationen unterscheidet.

Fazit

Eine Multi-Carrier-Strategie lohnt sich, wenn wirtschaftliche Unterschiede zwischen Versanddienstleistern, Ausfallsicherheit, Service- und Zonenabdeckung oder die eigene Verhandlungsposition den Mehraufwand rechtfertigen – und sie überfordert eine Organisation typischerweise dann, wenn jeder Carrier als eigene, direkt an SAP gebundene Integration umgesetzt wird. Der Unterschied zwischen einer flexiblen Strategie und einer Wartungsfalle liegt nicht in der Anzahl der Dienstleister, sondern in der Architektur: Wer SAP und Carrier über eine zentrale Integrationsschicht entkoppelt und aus dem SAP-Backend stets dieselbe standardisierte Datenstruktur sendet, kann Carrier ergänzen, tauschen und umleiten, ohne den SAP-Core anzufassen.

Wie eine solche zentrale Integrationsschicht als Middleware zwischen SAP-System und Paketdienstleistern funktioniert, beschreibt der Beitrag Glossar: Was ist die zentrale Integrationsschicht von CEP One?. Wie sich auf dieser Basis alle Carrier über einen einzigen API-Endpunkt erreichen lassen, zeigt der Artikel CEP One: Alle Carrier über einen einzigen API-Endpunkt. Und warum sich weitere Dienstleister in diesem Modell in Tagen statt Monaten anbinden lassen, erläutert der Beitrag Carrier-Portfolio flexibel erweitern: Neue Versanddienstleister in Tagen statt Monaten.

Sie möchten mehr erfahren?

Kontaktieren Sie uns — wir beraten Sie gerne zu Ihren Integrationsprojekten.

Kontakt aufnehmen

← Zurück zur Übersicht